Confidential Computing: KI, bei der niemand mitliest.
Verschlüsselung bei Übertragung und Speicherung ist heute selbstverständlich. Die Lücke ist der Moment der Verarbeitung: Dort liegen Daten normalerweise im Klartext vor, für jeden mit ausreichenden Rechten auf der Infrastruktur einsehbar. Confidential Computing schließt genau diese Lücke und Remote Attestation macht das überprüfbar.
Stand: Juli 2026.

Drei Zustände, drei Schutzarten.
Daten existieren in drei Zuständen und jeder braucht seinen eigenen Schutz. Die ersten beiden sind Industriestandard, der dritte trennt die Spreu vom Weizen.
At rest
Speicherung
Daten liegen verschlüsselt auf Datenträgern, etwa mit AES-256. Das schützt gegen den Diebstahl von Festplatten und Backups, aber nicht während der Nutzung.
In transit
Übertragung
TLS sichert den Weg zwischen deiner Kanzlei und dem Dienst. Das schützt gegen Mitlesen auf der Strecke, aber nicht am Ziel.
In use
Verarbeitung
Der Arbeitsspeicher bleibt verschlüsselt, während gerechnet wird. Das ist Confidential Computing und es ist genau der Zustand, in dem KI-Inferenz stattfindet.
Was ein Trusted Execution Environment garantiert.
Ein Trusted Execution Environment (TEE) ist ein hardwaregestützt abgeschotteter Bereich eines Prozessors. Moderne Server-CPUs und -GPUs, etwa mit AMD SEV-SNP, Intel TDX oder NVIDIA Confidential Computing, können komplette virtuelle Maschinen so ausführen, dass der Arbeitsspeicher durchgehend verschlüsselt bleibt und selbst der Betreiber der Hardware nicht hineinsehen kann.
Das garantiert ein TEE
- Der Infrastrukturbetreiber hat keinen Klartextzugriff auf Eingaben, Dokumente und Ergebnisse, auch nicht mit Administratorrechten.
- Der Arbeitsspeicher ist während der gesamten Verarbeitung verschlüsselt; die Schlüssel liegen in der Hardware und verlassen sie nicht.
- Die Umgebung kann kryptografisch nachweisen, welcher Code in ihr läuft. Dieser Nachweis heißt Attestierung, dazu gleich mehr.
Ehrliche Grenzen
Und das leistet ein TEE ehrlicherweise nicht
- Es schützt nicht vor Fehlern der Anwendungsschicht. Ein Programm mit einer Sicherheitslücke bleibt auch im TEE ein Programm mit einer Sicherheitslücke.
- Es ändert nicht die Rechtslage. Gesetzliche Zugriffsregelungen wie der US CLOUD Act bestehen als Rechtsrahmen fort; ein TEE reduziert, was technisch herausgegeben werden kann, nicht, was rechtlich verlangt werden darf.
- Es ersetzt keine Pflichten der Kanzlei. Auftragsverarbeitungsvertrag, Verschwiegenheitsverpflichtung und sorgfältige Auswahl bleiben nötig; ein TEE unterstützt ihre Erfüllung. Mehr dazu im Ratgeber zu § 203 StGB.
Remote Attestation: vom Versprechen zum Nachweis.
Ohne Prüfung bleibt ein TEE eine Behauptung des Anbieters. Remote Attestation ist der Mechanismus, der die Behauptung überprüfbar macht, bevor auch nur ein Zeichen deiner Daten die Kanzlei verlässt.
- Manifest. Ein Manifest legt mit kryptografischen Hashes fest, welche Software-Komponenten in der geschützten Umgebung laufen dürfen. Alles, was nicht im Manifest steht, wird abgewiesen.
- Hardware-Signatur. Die CPU misst beim Start die tatsächlich geladene Software und signiert das Ergebnis mit einem Schlüssel, der in der Hardware verankert ist. Diese Signatur kann kein Betreiber fälschen.
- Reproduzierbare Builds. Ist der Quellcode offen und der Build reproduzierbar, kannst du die erwarteten Hashes selbst erzeugen und mit dem Manifest vergleichen, statt fremden Referenzwerten vertrauen zu müssen.
- Prüfung bei jedem Verbindungsaufbau. Der Client vergleicht die Hardware-Signatur mit dem Manifest, bevor Daten fließen. Schlägt die Prüfung fehl, kommt keine Verbindung zustande.
Warum das für Berufsgeheimnisträger zählt.
Wer der Verschwiegenheitspflicht nach § 203 StGB unterliegt, muss Dienstleister sorgfältig auswählen. Bei herkömmlichen Cloud-KI-Diensten stützt sich die Vertraulichkeit auf Verträge und interne Prozesse des Anbieters; prüfen kannst du deren Einhaltung nicht. Ein attestiertes TEE verschiebt die Grundlage: Der fehlende Klartextzugriff des Betreibers ist eine Eigenschaft der Hardware, die deine Kanzlei unabhängig verifizieren kann. Das ersetzt die rechtliche Pflichtenlage nicht, gibt der sorgfältigen Auswahl aber ein technisches Fundament.
Welche Fragen du dazu jedem Anbieter stellen solltest, bündelt unsere Anbieter-Checkliste.
Die Plattform, die SOFI nutzt.
Die von SOFI genutzte Confidential-Computing-Plattform liefert genau die Nachweise, um die es in diesem Ratgeber geht: Der komplette Quellcode der Vertrauensbasis (TCB) ist offen, Builds sind reproduzierbar und die Attestierung wird bei jedem Verbindungsaufbau geprüft. Jeder kann die Kette unabhängig nachvollziehen, ohne SOFI glauben zu müssen. Welche Anbieter dahinterstehen, steht in den Unterauftragsverarbeitern.
Wie diese Architektur in den gesamten Datenfluss von SOFI eingebettet ist, zeigt die Seite Datensouveränität.
Zusage oder Ausschluss: der feine Unterschied.
Viele Plattformen sichern zu, Eingaben nicht zu speichern (Zero Data Retention) oder nicht auf sie zuzugreifen. Solche Zusagen sind wertvoll und vertraglich bindend, aber sie bleiben organisatorisch: Du kannst ihre Einhaltung nicht selbst prüfen und Ausnahmen wie die Sichtung auffällig eingestufter Eingaben sind bei manchen Diensten dokumentiert.
Wie weit solche Design-Zusagen gehen können, zeigt AWS Bedrock: Der Dienst läuft auf dem AWS Nitro System, dessen Architektur einen regulären Zugriff von AWS-Mitarbeitenden auf Kundendaten ausschließt; AWS dokumentiert das öffentlich als Zero Operator Access. Das ist ernstzunehmende Ingenieursarbeit auf Infrastruktur-Ebene. Der Unterschied zum attestierten TEE liegt in der Prüfbarkeit: Eine kundenseitig prüfbare technische Garantie, etwa eine Remote Attestation je Verbindung, gibt es dabei nicht; die Zusage bleibt Design- und Vertragssache (Stand Juli 2026).
Confidential Computing setzt eine Ebene tiefer an. Der Zugriff wird nicht versprochen zu unterbleiben, er ist technisch ausgeschlossen und per Attestierung nachweisbar. Beide Ebenen ergänzen sich, doch nur eine davon kannst du unabhängig verifizieren.
