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KI in der Steuerkanzlei scheitert am Datenzugriff

Veröffentlicht am , SOFI Team, 3 Min. LesezeitFachartikel

Es gibt ein Muster, das sich in Gesprächen mit Kanzleien ständig wiederholt. Erster Akt: Begeisterung, ein Chat-Zugang ist schnell eingerichtet, die ersten Texte beeindrucken. Zweiter Akt: Ernüchterung. Der Assistent kennt keinen einzigen Mandanten, keine Buchung, keine Frist. Dritter Akt: Das Tool verstaubt und im Rückblick heißt es, KI sei „für uns noch nichts".

Unsere These, und wir vertreten sie mit Überzeugung: Das Problem war in keinem dieser Fälle die KI. Es war der Datenzugriff. Ein Sprachmodell ohne Anschluss an die Kanzleidaten kann formulieren, aber nicht arbeiten. Dass ausgerechnet dieser Anschluss der schwierige Teil ist, hat handfeste Gründe und wer sie versteht, erkennt auch, welche Anbieterversprechen tragen und welche nicht.

Das Copy-Paste-Stadium

Ohne Anbindung sieht der Alltag so aus: Wer die KI nutzen will, kopiert Daten in den Chat und die Antwort zurück. Langsam ist das sowieso. Fehleranfällig auch, weil Zahlen beim Kopieren veralten oder verloren gehen. Vor allem aber wandern Mandantendaten unkontrolliert in ein System, das dafür nie freigegeben wurde. Viele Kanzleien verbieten deshalb die private KI-Nutzung ihrer Mitarbeiter. Zu Recht, solange es keinen kontrollierten Weg gibt. Nur verschwindet das Bedürfnis dadurch nicht, es verschwindet in die Schatten-IT.

Drei Gründe, warum der Zugriff so schwer ist

01

Die Daten liegen verteilt

Stammdaten, Buchführung, Dokumente, Schriftverkehr, das meiste in der DATEV-Welt, teils lokal, teils in der Cloud. Und die Landschaft verschiebt sich: DATEV zieht ihre Programme ab 2026 schrittweise in die eigene Cloud um.

02

DATEV öffnet dosiert

Der Zugang läuft über DATEVconnect und das Developer Portal, produktive Online-Schnittstellen sind an Partnerschaft und fachliche Abnahme gekoppelt. Gut für die Sicherheit, anspruchsvoll für jeden, der integrieren will.

03

Das Berufsrecht setzt den Rahmen

Verschwiegenheit nach § 203 StGB und die DSGVO verlangen, dass jeder Zugriff eine Grundlage hat und nachvollziehbar bleibt.

Wer diese drei Punkte ignoriert, baut entweder ein Datenschutzproblem oder ein Projekt, das nie produktiv geht. Meist beides.

Interface-first oder Use-Case-first

Am Markt gibt es zwei Denkschulen. Die eine startet bei der Schnittstelle: Hauptsache, die Daten sind technisch erreichbar; was damit geschieht, bleibt der Kanzlei oder ihrem Dienstleister überlassen. Für Softwarehäuser mit eigenem Entwicklungsteam ist das ein völlig valider Weg.

Für eine Kanzlei halten wir ihn für den falschen. Eine erreichbare API beantwortet keinen Bescheid. Die Frage einer Kanzlei lautet nicht „Wie komme ich an meine Daten?", sondern „Wer nimmt mir Routine ab, ohne dass ich die Kontrolle verliere?". Deshalb gehört der Anwendungsfall an den Anfang und der Datenzugriff wird so gebaut, wie der Anwendungsfall ihn braucht: mit Rechten, Protokoll und Freigaben. Bei SOFI heißt das konkret: eigener MCP-Server als kontrollierter Anschluss an die DATEV-Welt (die Details stehen im Beitrag zum DATEV MCP Server), darüber die Anwendungsfälle, von der Bescheidprüfung bis zur Mandantenkommunikation, und die Inferenz im Standard ausschließlich in der EU in der vertraulichen Ausführungsumgebung. Mehr dazu auf SOFI for Tax.

Der Vier-Punkte-Test

Ob ein Anbieter den Datenzugriff wirklich gelöst hat, lässt sich in einer Viertelstunde prüfen. Bitte um eine Live-Demo mit diesen vier Fragen: Beantwortet die KI eine Frage zu einem konkreten Mandanten mit aktuellen Werten, ohne dass jemand etwas kopiert? Ist jeder Zugriff protokolliert und auf die Rechte des jeweiligen Nutzers begrenzt? Läuft die Verarbeitung nachweisbar, nicht nur versprochen, in einer Umgebung, die Verschwiegenheit und DSGVO standhält? Und kann die Kanzlei Zugriffe jederzeit einschränken oder beenden?

Wer bei einer dieser Fragen ausweicht, hat den Engpass nicht gelöst, sondern verschoben. Die ausführliche Version dieses Tests, mit vierzehn Prüffragen und Begründungen, findest du in der KI-Anbieter-Checkliste.


Quellen

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